Szenen einer Ehe

Ehe-Dramen nur für andere.

Zwischen vorgespieltem Medien-Drama und vorgelebter Harmonie all der ekelhaft konfliktarmen Freundes-Ehen bleibt für manches Paar die Frage zurück – sind wir eigentlich normal?

Die Frage nach der Zufriedenheit ist in 99% der Zeit nur schwer ernsthaft zu beantworten. Meist können wir nicht genau festnageln ob wir jetzt zufrieden oder gar glücklich sind. Mangel an Problemen haben wir selten, aber so richtig unzufrieden wäre dann doch übertrieben. Um so schwerer, wenn es um das Glücksbarometer der eigenen Ehe geht, und zusätzlich auch noch Kinder Gegenstand der Mäßigkeit werden. Befreit vom 100%-Glücks-Anspruch der Teenager-Zeit ist es schwer sich ein Ziel zu setzen, geschweige denn sich selbst auf dem Weg dorthin einzuordnen.

Ehe in einsam
Die Ehe, ziemlich einsam

Diese Bestimmung der eigenen Position und die Konsequenzen die sich aus der Sinnsuche mit verschobenem Fokus („Haben wir irgendwas Wichtiges verpasst?“) ergeben können, widmen sich Marianne und Johan in Ingmar Bergmanns „Szenen einer Ehe“ unter Regie von Thomas Jonigk im Staatsschauspiel Dresden.

Ihre bekinderte Ehe (die nicht auftreten) sieht auf den ersten Blick sehr überdurchschnittlich aus, man lacht, man küsst, man redet. Um so unvorhersehbarer kommt die dann wieder ein wenig zu klassische Midlife-Crisis-Verkündung von Johan. Er wird sich trennen, demnächst mit der 23-jährigen Studentin für ein paar Monate verreisen und danach alles einfach mal auf sich zukommen lassen. Marianne schwankt nachvollziehbar zwischen Entsetzen, Trauer und Akzeptanz, und übernimmt bei vorhersehbar reumütigem Johan später auch mal den Lead. Ergänzt wird das Duo von ihren retrospektiven 20 Jahre älteren Alter Egos, und zwei identisch gekleideten aber stummen Kinderversionen von sich (deren Aufgabe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden habe).

Das Set ist der Zeit entsprechend im 70er-Stil gehalten, was auch für den einen oder anderen Gag herhält. Story und Charaktere folgen dem damaligen Zeitgeist, bspw. mit dem selbstverständlichen Verbleib der Kinder bei der Mutter. Die Schauspieler spielen ihre Rollen sehr überzeugend, auch wenn das Skript ab und an ein bisschen wirr anmutet. Durch Skript und Schauspiel fällt es trotz recht eindeutig anmutender Ausgangslage überraschend schwer, den Protagonisten die Sympathien klar zuzuordnen. Das ist den Beteiligten hoch anzurechnen, das hätte man auch viel plakativer abbilden können.

Ehe jung
Die Ehe in jung

Was mir persönlich auffiel: in den teils deftigen Streits wurde vom Mann ausgehende (verbale wie körperliche) Gewalt vom Publikum oft betreten beschwiegen, von der Dame ausgehende Gewalt jedoch meist schmunzelnd beraunt.

Sind das einfach Reste der altmodischen 70er die wir bis heute alle in uns tragen? Schön wenn ein Theaterbesuch solche Fragen aufwerfen kann, die der Besucher anschließend durchdenken und besprechen kann. Fazit: empfehlenswert, gerade weil das Stück über das Abklappern bekannter Stereotypen zur reinen Belustigung hinaus geht.

schmasch

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