Die Herausforderung – wo bleibt da der Spaß

Spaß in der Gruppe

.. und die Suche nach dem verlorenen Schatz.

Teil des Alters ist auch die Erkenntnis, und direkt damit verbunden oft die Ernüchterung. Das mal teils als Flow beschriebene Phänomen, voll und ganz in einer Tätigkeit aufzugehen, scheint den meisten von uns mit den Jahren abhanden zu kommen. Unter Erwachsenen schaut man neidisch auf die Kinder, die das noch problemlos können, und herablassend auf die Nerds, die nicht merken wie ihnen beim Modellschiff-Bauen der Speichel aus dem Mund läuft.

Am Ende will aber trotzdem jeder glücklich sein. Und viele denken an die eigene Kindheit zurück, in der man mit ganz einfachen Mitteln glücklich sein konnte. Ich bin ein Kind – gib mir ein paar Küchenutensilien, einen Sandkasten oder einfach ein weißes Blatt Papier, und ich bin dann mal eben für Stunden glücklich beschäftigt. Doch wo geht diese Fähigkeit hin?

Der naheliegende Grund

Mit dem Älterwerden ändern sich die Möglichkeiten, wir kaufen nun Küchen (statt Töpfen), Grundstücke (statt Sandkasten) und Computer (statt Papier) – aber die Freude des leeren Blattes stellt sich, wenn überhaupt, trotzdem nur noch selten ein. Gern wird dann auf die Zeit geschimpft, wie wenig man doch heute davon hat, wie viel man damit hatte, und was damals alles möglich war.

Spaß durch Zeit nehmen
Die Uhr als Spaßfaktor

Aber ist das so? Natürlich haben wir mehr Dinge die unsere Aufmerksamkeit erfordern, denen wir sie aber auch schenken. Wir haben mehr Menschen die uns beschäftigen, mehr Medien zu konsumieren, mehr Aufgaben zu erledigen, mehr Verantwortung zu tragen. Aber weniger Zeit? Was machen wir denn, wenn wir mal „nichts zu tun“ haben? Einen Film schauen, Lesen, Trinken, Schlafen. Das sind alles Wege, die Zeit totzuschlagen. Also wie kostbar kann sie uns dann schon sein?

Der unlogische Grund

Andere denken in der Nostalgie nicht an die früher unendlich verfügbare Zeit, sondern an die Herausforderung. Als Kind fühlt man intensiver, die Welt ist riesengroß, es regnet wie aus Gießkannen und das letzte Super Mario Level habe ich 100e Male probiert, bis ich es endlich geschafft habe. Notiz an die Jüngeren: ein Spiel durchzuspielen hieß ganz ganz oft von vorn anzufangen, denn Speicherpunkte gab es nicht – nach ein paar (auch hinzugesammelten) Leben war Schluss.

Spaß durch Frust
Das nervt, das brauch ich!

Die Frustrationstoleranz war trotzdem schier unendlich. Stundenlang scheiterte man wieder und wieder an der gleichen Aufgabe, ohne die Lust zu verlieren. Verlieren gehörte einfach dazu, und erzeugte wenig Frust. Ich kann sogar meine Eltern ins Feld führen – und damit das „vielleicht sind wir einfach rausgewachsen“-Argument entkräften – die Mario teils noch stundenlang weitergespielt haben wenn wir Kinder längst im Bett waren.

Hier stellt sich aber die Frage der Kausalität – hatten wir so viel Spaß, weil wir so oft scheiterten? Dann müsste man die heutigen Tätigkeiten einfach schwerer machen, und sie würden mehr Spaß versprechen. Oder machte es uns nichts aus zu scheitern, weil wir Spaß hatten? Es ist wirklich schwer zu sagen. Ich vermute, wenn ich darauf eine Antwort hätte, könnte ich viel viel Geld mit Lebensratgebern verdienen.

Der einfache Ausweg

Eine mögliche Erklärung fällt mir aber doch ein. Ausgenommen die Modellschiff-Bauer (die dem Klischee nach aber auch im Erwachsenen-Alter noch Spaß daran haben), könnte der Flow vor allem darin bestehen, Zeit mit Freunden zu verbringen. Das funktioniert mit schweren Spielen. Das funktioniert auch draußen im Wald. Das funktioniert zu zweit wie auch zu zehnt.

Spaß in der Gruppe
Zusammen Spaß haben

War nicht das Tolle, dass man die Abenteuer gemeinsam erlebt hat? Dass man jemanden hatte, der sich – scheinbar 😉 – für das fertig gemalte Bild interessierte? Lag die wahre Befriedigung während des Zockens nicht in der Vorfreude, am nächsten Tag in der Schule vor den Freunden mit dem neuen Highscore anzugeben? Und ganz ehrlich – gibt es Menschen da draußen die nicht schon mal mit alten Bekannten über vergangene Zeiten geklönt haben, und dieses wohlige Gefühl der Zugehörigkeit genossen  haben? Denn wenn Erwachsenwerden etwas bedeutet, dann das man eigenständig wird, unabhängig und auch irgendwie losgelöst. Um so schöner, wenn man das zumindest für ein paar Stunden wieder rückgängig machen kann.

Aber was heißt das für uns, wenn wir erwachsen geworden sind? Carpe diem – wenn du entspannen willst, such die Einsamkeit. Willst du aber was erleben, such dir Begleiter.

Trotzdem ab und an mal melancholisch,

schmasch

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