Einfach mal bockig: Alle doof, so.

Wie sich in Zeiten des ungebremsten (und manchmal unreflektierten) Online-Journalismus manche redaktionelle Stilblüte findet, die in Teilen bockig macht und bockig wirkt.

Ich bin ja eigentlich eher so der Gemütliche, der „leben-und-leben-lasser“. Aber wie das so ist mit den Erwartungen, so richtig werden sie einem erst dann bewusst, wenn sie enttäuscht werden. Und den freundlichen Damen und Herren von Basic Thinking habe ich bisher immer sehr viel journalistisches Geschick zugetraut. Und jetzt gelingt mir das nicht mehr bei allen. So ist das eben, wenn man die Erwartungen an die Realität anpasst. Womit natürlich keineswegs gesagt ist, dass es nicht meine Erwartungen waren, die das Update dringend nötig hatten.

Innovation als Selbstzweck ist sicher ein hehres Ziel, aber es füllt keine Kühlschränke und es macht auch keine Geldgeber glücklich. Warum zum Teufel also Facebook ständig kopiert? Weil Facebook ein betriebswirtschaftlich arbeitendes Unternehmen ist, wie Snapchat übrigens auch. Und wenn eine Funktion verspricht, den Mehrwert für die eigenen Kunden zu erhöhen, dann wird sie umgesetzt.

Unabhängig davon ob man selbst zuerst auf die Idee gekommen ist.

WhatsApp Status: Warum kopiert Facebook ständig Snapchat?

Im gelinkten Artikel scheint der Autor seine Sympathien klar verteilt zu haben. Weil der eine der Ideenquell ist, während der andere nur schnöde plagiiert. Vielleicht liegt es aber auch an der Marktmacht der beiden ungleichen Kontrahenten (Facebook täglich gut 1,6 Mrd., Snapchat ca. 150 Mio. User), an der Sympathie für die jeweiligen CEOs (Mark Zuckerberg muss man nicht mögen, Evan Spiegel als CEO von Snap Inc. kann man mögen – kürzlich war übrigens Snap Inc. Going Public im Wert von 33 Mrd. Dollar) oder anderen Kriterien.

Und so werden genau vier Argumente für die neue Funktion genannt, von denen drei zumindest nachvollziehbar sind (Funktionale Produktevolution, bessere Kundenbindung, Vorbereitung zur Monetarisierung). Das eine aber, dass es auf die Headline schafft, fällt auf wie der Elefant im Porzellanladen – und genau so kam er bei mir als Leser auch an: wie künstlich herbeifabuliert.

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Clickbait, allerdings dann bitte einen organisch in den Artikel passenden Fakt nehmen und diesen in der Headline überspitzen.

Aber so bitte nicht, das schadet eurem sonst hohen Niveau.

Danke,

schmasch

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