The Man In The High Castle

Brr, irgendwie gruselig. Und doch muss man hinschauen, wenn die Charakterfieslinge ihre faltigen Klauen ausstrecken.

Ich muss euch unbedingt eine Geschichte erzählen, nämlich die, wie es zu dieser Serie kam. Denn die Serie, die ist wirklich der Hammer.

Also es geht los.

Es war einmal ein Mann namens Philip, der schrieb ein Buch über träumende Schafe. Und mit Hilfe von Ridley Scott wurde dieses Buch Anfang der 80er in Filmform zu der popkulturellen Ikone der Cyberpunk-Ära schlechthin. Leider konnte Philip den entstandenen Film und dessen phänomenalen Erfolg nicht sehen, denn er verstarb wenige Monate vor dessen Erscheinen.

Zu unserem Glück schrieb er 20 Jahre vorher aber noch ein weiteres Buch, welches nun den Weg in die Amazon-Serienschmiede gefunden hat. Und die daraus entstandene Serie hat es wirklich in sich.

„The Man in the High Castle“ wurde 2015 von Amazon veröffentlicht und spielt wie das Buch in einer alternativen Realität, in der Nazis und Japaner den zweiten Weltkrieg 1947 gewannen. Im Anschluss haben sie Nordamerika fast vollständig besetzt, und bedenken die Besiegten jetzt mit Repressionen und Kultur-Zwangsbeglückung. Vor diesem Hintergrund folgt der Plot verschiedenen Personen, die auf entgegengesetzten Seiten ihre Ziele verfolgen. Ominöse Filmaufnahmen aus weiteren Realitäten (zentrale Figur in diesem Zusammenhang: Der Mann im Hohen Schloss) bestimmen und beeinflussen das Handeln fast aller Personen und bringen zusätzliche Würze in das ohnehin bedrückende Setting.

Die auffälligste Eigenschaft der Serie ist natürlich der offene Umgang mit der damaligen Symbolik, und die bewusste Zerstörung oder Übernahme bekannter Wahrzeichen der besiegten Länder. Ich persönlich kann nicht einschätzen wie originalgetreu Kostüme, Strukturen und Abläufe sind, aber sie wirken auf mich insgesamt sehr glaubwürdig. Gerade die Architektur der Nazis in Nordamerika und in Berlin verleitet teilweise zum (widerwilligen) Staunen, wie sie es in den Glanzzeiten des dritten Reichs vermutlich damals auch tat. Die Japaner hingegen werden persönlicher dargestellt (nicht menschlicher), mit starkem Fokus auf die japanische Kultur und deren Höflichkeitsformen. Beide Regime sind streng hierarchisch aufgebaut, allerdings unterscheiden sie sich darin so wie man es sich vorstellt: während die Stärke des deutschen Systems vorwiegend auf struktureller Macht basiert, ist es bei den Japanern eher die personenbezogene / kulturhistorische Macht die Hierarchie schafft.

Auf allen Seiten (Deutsche, Japaner, Widerständler) gibt es streitbare Charaktere, nachvollziehbare Handlungen, Sympathien und Abscheu. Und genau das ist für mich die große Stärke der Serie. Eingebettet in das beschriebene Setting wirken alle handelnden Personen wie Menschen, vielschichtig, oft unklar in ihren Motiven und teils auch impulsiv – aber genau deswegen auch jederzeit glaubwürdig. Ein ums andere Mal habe ich meine Meinung von handelnden Personen revidieren, oder zumindest ergänzen müssen, womit es Spaß macht den Entwicklungen zu folgen.

Die Serie macht es dem Zuschauer natürlich etwas leichter, indem sie durch die Wahl der Zeit die Kriegsgreuel einfach ausblenden kann, und durch den Sieg der Achsenmächte keinerlei Aufarbeitung von Konzentrationslagern oder Kriegsverbrechen stattfinden muss. Einzig den Amerikanern wird später mal die gewaltsame Unterwerfung der amerikanischen Ureinwohner vorgeworfen, was zumindest bei mir wegen der bitteren Ironie ein Schmunzeln hervorrief.

Aktuell sind wir bei Staffel 2, man wird sehen wie schnell der ungewohnte Blick sich abnutzt. Aus meiner jetzigen Sicht hoffentlich nicht all zu schnell, denn ein paar Staffeln könnte ich noch vertragen.

Fazit: auf jeden Fall sehenswert, schon wegen der phantastischen Intros.

Noch was?

IMDB.COM: 8,1 / 10 (Link)

rottentomatoes: 89% (Link)

 

Bildzitat: Amazon (Link)

 

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