Als ich dich fand

Das Leben ist manchmal wendungsreich, auch wenn es gar nicht aufregend ist. Schön wenn ein Buch versteht das einzufangen, ohne zu langweilen.

Catherine Ryan Hyde hat einen Roman geschrieben, der Frau Schmalzschnitte so gar nicht mitgerissen hat. Sie als bekennende Fitzek-Verschlingerin macht es einem Autor aber auch ordentlich schwer, mit einer nicht ganz so rasanten Geschichte Eindruck auf sie zu machen. Obwohl die Prämisse ziemlich reißerisch klingt, was – so wie ich vermute – wohl meine Frau auch gereizt hat.

Wer macht denn sowas?

Ein Mann namens Nathan McCann geht am frühen Morgen allein zur Entenjagd, wie er es sehr oft tut. Diesmal jedoch findet er auf dem Weg mithilfe seiner treuen Hündin zufällig ein Baby im kalten Herbstlaub. Zunächst davon ausgehend dass es tot ist, gehen ihm natürlich erstmal einige ein paar Fragen durch den Kopf. Wie ist es dorthin gelangt, wer und wo sind die Eltern, und was jetzt tun? Als das Kind jedoch plötzlich Lebenszeichen von sich gibt, überschlagen sich die Ereignisse. Die Geschichte entfaltet sich, und erzählt von der besonderen Verbindung zweier Menschen, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das Buch schlachtet die reißerische Prämisse keineswegs aus. Es hält sich stoisch an die direkten Protagonisten: das Kind, der Finder und die eigensinnige – aber besorgte – Großmutter. Damit erfahren wir wenig über die Antworten die uns von Anfang an ins Gesicht springen sollten – die Mutter, ihre Beweggründe oder den Vater. Hier wäre viel Raum für Thriller oder Mystery gewesen, der aber ungenutzt bleibt, und somit ein bisschen auch die Spannungskurve hoch hält. Könnte ja noch was kommen.

Glücklicherweise ist das kein Problem (es sei denn man erwartet genau diesen Nervenkitzel *g*). Die Autorin baut ein ruhiges Bild der Hauptfiguren und einer Reihe interessanter Nebenfiguren auf, deren Leben durch die ungewöhnliche Geschichte des Kindes beeinflusst wird. In ihr wird erzählt von Liebe, Gewalt, Hoffnung, Mutlosigkeit, Trauer und Entschlossenheit – ohne sich zu verzetteln oder zu beliebig zu wirken.

Und genau das machte das Buch für mich so bewegend. Wer also keinen halsbrecherischen Roman über sozial schwache, drogenabhängige Mütter, Politiker-Korruption und dramatische Verfolgungsjagden erwartet, findet hier genau das (nicht ;).

Einen Blick ist es auf jeden Fall wert.

Noch was?

amazon.de: 4,4 / 5 (Link)

 

Bildzitat: Ullstein (Link)

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