Taboo

„Taboo“ bedient in mehr als nur dem direkten Wortsinn das Unantastbare, Verpönte und gesellschaftlich Geächtete. Trotzdem will vom Eisklotz Tom Hardy der Funke nicht so recht springen.

Amazon Serien sind bereits seit einiger Zeit Garanten für extravagante Themen in aufwändiger Verpackung. Steven Knight macht da mit „Taboo“ keine Ausnahme. Es geht um das alte London, Intrigen im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Überlebenskampf zwischen externen und internen Bedrohungen, und um familiäre Geheimnisse der dunkelsten Art.

Blickdichter Teppich

So webt Steven Knight einen dichten Teppich an Haupt- und Nebensträngen. Er lässt dabei den Zuschauer nur bei wenigen Charakteren die Motive von Anfang an erkennen. Kinder haben einen Sonderstatus, die sind immer nett und ehrlich. Da fragt sich der nachdenkliche Zuschauer schon, woher die ganzen bösen und intriganten Erwachsenen kommen.  Denn fast alle anderen Figuren im Acht-Teiler sind zumindest doppelbödig, und Tom Hardy als mysteriöser Koloss im Zentrum allen Geschehens bleibt bis zum Ende verschlossen und geheimnisvoll.

Die Inszenierung ist auf den Punkt getroffen. Selten sah man den Beginn des 19. Jahrhunderts so realitätsgetreu dreckig, stinkend und blutig. Mit Gewalt wird nicht gespart, die optische Züchtigkeit der Szenen bildet dazu und zum teils deftigen inhaltlichen Geschehen einen Kontrast, was der Glaubwürdigkeit aber zum Glück nur wenig schadet. Man nimmt den Handelnden das Leben in ihrer Zeit problemlos ab, die Darbietungen sind allesamt überzeugend, Kostüme und Ausstattung sind wirklich sehr gut. Einzig Franka Potente fällt gegenüber ihren Kollegen ein bisschen ab, was aber auch daran liegen kann dass der Potente-Kenner sie in ihrer recht eindimensionalen Rolle als irgendwie eingesperrt wahrnimmt (böse gucken, schiefe Zähne zeigen). Andere Frauen kommen für ein Historiendrama erstaunlich emanzipiert daher. Das gibt „Taboo“ einen angenehmen modernen Touch, und macht ihn besser greifbar für das ausgeglichene Publikum.

Achterbahn-Handlung

Die Handlung verläuft sehr rasant, die Ereignisse scheinen sich ständig zu überschlagen. Leider wird sich somit nur wenige Dinge richtig Zeit genommen. Der Zuschauer kann so jedoch auch nur bei wenigen Aspekten gedanklich verweilen. Im Gegenteil, eine Vielzahl an Motiven, Wendungen und viel viel Undurchsichtigkeit des Protagonisten verschleiern dem Zuschauer fast durchgängig den wahren Gang der Dinge. Da fällt es nicht so leicht zu folgen, oder das Geschehen als wirklich spannend wahrzunehmen. Aufgrund der Angewohnheit, die handelnden Personen nur zu streifen, oder auf wirklich exzentrische Eigenheiten zu limitieren, fiebert man nur wenig mit Ihrem Schicksal mit.

Das Streuen von vielen kleinen Spuren und Handlungsdetails, und das Einführen von Charakteren ist sicher typisch für eine Pilotserie. Allerdings sollte man schon so viel Liebe in die einzelnen Elemente stecken, dass der Zuschauer zumindest Lust verspürt den weiteren Fortgang zu verfolgen. Das gelingt Taboo aber nur in Ansätzen. Schade, denn Story und Charaktere hätten wesentlich mehr hergegeben. So bleibt Geschehen einigermaßen plastisch, und das Hineinversetzen in die handelnden Personen wird fast unmöglich.

Nett anzuschauen ist es aber ohnehin, es fesselt eben nur nicht so wie es könnte.

Noch was?

IMDB.COM: 8,7 / 10 (Link)

rottentomatoes: 60% (Link)

 

Bildzitat: Amazon Exclusive (Link)

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