Was quält mich da? Das Flora-Gewissen

Ein bisschen nett, ein bisschen fies - die Flora

Es wird wieder wärmer, und in mir zeigen sich wie jedes Jahr die dunklen Seiten meiner Seele, wenn es um meine enge Freundin – die Flora.

Manchmal sehen Ideen aus als wären sie so richtig gut. Allerdings passiert es oft, dass dieselben eben noch vergötterten Ideen sich als nur ein bisschen gut rausstellen. Gern auch dann, wenn sie mit Arbeit verbunden sind. So wie zum Beispiel die Idee, einen Kleingarten anzuschaffen.

Da sagt man sich, hey, selbst angebautes Gemüse! Raus aus der Tretmühle der Lebensmittelindustrie! Free your Sources! Und die ganze Frischluft erst, und die Bewegung, und die Sonne! Das bisschen Wegstrecke macht doch nix, da wird man schon mal warm auf dem Weg. Dabei hatten wir noch Glück, müssen wir doch nur aus der Haustür fallen und stehen schon mittendrin im Garten. Also fast.

Die ersten Monate sprühen dann auch nur so von Ideen und Tatkraft, und alles will neu gestaltet werden. Erste Erfolge sind schnell erzielt, denn Gärten die übernommen werden sind selten super gepflegt. Das heißt, man sieht an jedem Tag was man geschafft hat. Der Stolz gesellt sich also dazu, die selbst geschaffene Gemütlichkeit liebkost unsere gestressten Seelen, Sonnenstrahlen kitzeln unsere Nasen. Alles ist perfekt.

Und dann wird es kalt. Und es kommt der Winter. Und die Flora verschwindet unter einer dicken Decke grau und Matsch. Und wenn er wieder von dannen zieht (langsam dieses Jahr, zugegeben), hinterlässt er einen kleingartenbreiten Streifen Trostlosigkeit und mindestens ebenso graues, tonnenschweres schlechtes Gewissen.

Und das ist genau das, was mich überfällt wenn ich unseren Garten betrete. Weswegen ich ihn eher zu meiden versuche. Aber dann stelle ich mir die strafenden Blicke der anderen Pächter und – hachdumeinegüte – des Gartenvorstands vor. Und dann gehe ich doch die Aufgabe an, watend durch triste verunkrautete Beete, viel zu langes Gras und Horden marodierender Schnecken.

Und mit jeder Stunde Zeit die wir dem Garten widmen lächelt er uns ein bisschen freundlicher an. Und da ist er wieder, unser Stolz. Irgendwie war es ja doch keine so schlechte Idee. Und die Flora lacht. Ja, lach nur, der nächste Winter kommt bestimmt.

Hach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.