A WAR

Ruhiges und gerade deswegen mitreißendes Drama über den Krieg und die Akteure darin.

Ja, Familie Schmalzschnitte hat ein Herz für Skandinavien. Liegt vielleicht an der geistig-kulturellen Nähe zwischen den rauen Wikingern und den germanischen Stämmen. Vielleicht sind uns die Südländer zwar sympathisch, aber die Nordländer näher ans Herz gewachsen. Vielleicht gerade wegen der nordischen Kühle, wo man – vielleicht auch unberechtigt – schnell mal Tiefe und Weisheit vermutet. Um zum Thema zu kommen, mir sagen nicht viele Medienprodukte der nordischen Freunde zu. Dieses hier aber schon. Sogar Frau Schmalzschnitte war angetan, und legte ihre Nebenbeschäftigung irgendwann zur Seite, was mich wiederum überraschte.

Dänisch zurückhaltend

Der dänische Film, Understatement pur. Stoische Gesichter, unaufgeregte Gestik, und doch die ganz großen Themen. So auch im Film „A WAR“ vom bereits mit anderen Filmen erfolgreichen Gespann Lindholm und Asbæk. Auch hier wieder mit sehr gutem Ergebnis, der Film wirft große Fragen auf und liefert zum Glück keine einfachen Antworten.

Nur wenige können nachvollziehen unter welchem Druck Soldaten im Kampfeinsatz stehen. Keine festen Grenzlinien, Feinde sind nicht als solche zu erkennen, und trotzdem geht es sehr ernst zu, gibt es Verwundete und Tote auf beiden Seiten. Sind letztere dem Gegner zuzuordnen, wird adrenalin-geladen gefeixt und erleichtert gelacht, geht es um die eigenen Kameraden ist die Verzweiflung mit Händen zu spüren. Um so schwieriger für die Offiziere, ihre Mannschaft beisammenzuhalten. Sinnvermittlung und regelmäßige Erinnerung an das große Ganze sind hier immer wieder nötig, vor allem in Gefechten die nicht vollständig durch die Zivilbevölkerung mitgetragen werden.

Wird es dann brenzlig, ist der Druck schnell sehr groß. Wenn in diesem „Beruf“ aber Fehler passieren, geht es um Menschenleben. Hier wird ein solcher Fehler aber nicht in seiner humanen Dimension gezeigt, sondern zu einer reinen Gewissensfrage für den Protagonisten. Das ist gut, denn so stellt sich der Zuschauer unbewusst auf die Seite der Opfer.

Das Ende ist halb geschlossen, man sieht wie der Konflikt nur teilweise gelöst wird, und der Protagonist mit seiner in Sekunden aufgeladenen Schuld noch ein Leben lang zurechtkommen muss. Trotzdem keimt humanistische Hoffnung auf. Alles in allem sehr packend inszeniert, konzentriert auf das Wesentliche (kaum Musik), und gerade deswegen zum Mitfiebern.

Nichts für ruhige Abende, aber etwas für ein paar interessante Gespräche mit den Mitzuschauern beim Abspann.

Noch was?

IMDB.COM: 6,9 / 10 (Link)

rottentomatoes: 80% (Link)

 

Bildzitat: Studiocanal (Link)

 

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