Frau Müller muss weg

Die wunderbare Scheinheiligkeit der deutschen Mittelschicht-Eltern, und ihre Wut auf Frau Müller.

Wir kennen es, wer älter wird, gewinnt Erkenntnisse. Das geht den Menschen wie den Leuten. Wenn ich mal groß bin, werde ich nie so spießig wie meine Eltern sein. Ich werde meinen Kindern alles erlauben. Und Scheinheiligkeit wird es bei mir nicht geben.

Echt jetzt

Obwohl wir uns mit allen Mitteln dagegen sträuben, am Ende kommt es doch anders. Und man wird groß, spießig, regelwütig und scheinheilig. Gerade als Eltern nehmen wir sehr schnell Positionen ein, die wir eigentlich abgelehnt haben. Und genau diesen Spiegel hält uns Sönke Wortmanns „Frau Müller muss weg“ mitsamt seines deutschen Comedy-Ensembles schonungslos vors Gesicht. Herrlich.

Es geht im Grunde wie bei jedem Kammerspiel nicht um Schauplätze oder Effekte. Naturgemäß füllt der Regisseur die so entstandene Lücke mit pointierten und selbstentlarvenden Dialogen. So auch hier. Eltern treffen sich in der Schule, um Frau Müller – für die nicht ganz sicher ist, ob es sich um die Richtige handelt – aus dem Amt zu bitten. Genau genommen entscheiden das ja nicht die Eltern, Auftreten und Argumentation wirken aber trotzdem so. Auch auf die verdutzte Frau Müller.

Gucken ein bisschen gequält. der Film macht aber trotzdem Spaß. Vor allem Eltern.
Gucken ein bisschen gequält. der Film macht aber trotzdem Spaß. Vor allem Eltern.

Nach und nach entspinnt sich über Scheinargumente, übertragene Konflikte, persönliche Zweifel am Kind und Hadern mit dem eigenen Leben ein wunderbares Potpourri an Witz, Charme, Sarkasmus und ein bisschen Tragik. Wer hier nicht schmunzelt, lacht im dritten Untergeschoss.

Es lohnt sich also Eltern und Lehrerin dabei zuzuhören, wie sie ihre Handlungen verargumentieren. Und darüber nachzudenken, wie es einem selbst beim Thema geht. Und es zu hinterfragen. Und die Schülerperspektive einzunehmen. Einfach weil es Spaß macht. Der vorhersehbare Twist ist natürlich inklusive, dann aber doch irgendwie witzig.

Noch was?

IMDB.COM: 6,2 / 10 (Link)

rottentomatoes: 38% (Link)

 

Bildzitat: Constantin Film (Link)

Bildzitat: Wikimedia (Link)

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