Hand of God

Vom Aufstieg und Fall des Richter Gnadenlos.

Es ist im Leben manchmal wie im Film, auch für jene die kein Richter sind. Wir folgen unserem Pfad, so wie wir es für richtig halten. Ein Ereignis passiert, und unsere Sicht ist in Frage gestellt. Wir taumeln, zweifeln, lassen uns beraten, ändern uns, vielleicht auch nicht, alles gerät in Fluss. So ist das, wenn der Mensch plant und das Schicksal lacht.

Zwei Staffeln voller Herzblut

Der Ausgang der Geschichte ist schnell erklärt. Richter Pernell Harris (in beeindruckender Gestalt von Ron Perlman – was für ein Charakter) ist erfolgreich, hat Geld, eine Frau und einen gnadenlosen Ruf. Um so überraschender, dass ausgerechnet er nach einer mehrtägigen Abwesenheit nackt in einem Springbrunnen aufgegriffen wird, betend in fremder Sprache und offensichtlich völlig desorientiert.

Schnell stellt sich heraus, dass ihm neben Kleidung noch so einiges andere abhanden gekommen ist. Und die Serie windet sich bis zur letzten Folge um die Antwort, ob das gut oder schlecht für Pernell und seine Umgebung ist. Und darum geht es ja im Leben, Gutes tun. ^^

Richter Harris und seine liebende Ehefrau in angespannter Idylle
Richter Harris und seine liebende Ehefrau in angespannter Idylle

Harris ist einem seltsamen Glauben anheim gefallen, er geht nämlich davon aus er sei auserwählt als Prophet, um Gottes Werk zu tun. Doch glücklicherweise erschöpfen sich die Serienmacher von Amazon nicht in irgendwelchen seichten Erweckungsgeschichten, sondern stellen den Glauben des Zuschauers genauso wie Harris Glauben immer wieder auf eine harte Probe – und das in beide Richtungen. Erst recht spät erfährt die Geschichte auch eine wissenschaftliche Erklärung, dies tut jedoch für die Klarheit nichts wirklich Weltbewegendes.

Was haben wir also? Eine spannende Story, sehr vielschichtige Charaktere, wechselnde Sympathien, unerwartete Wendungen und für den leider beendeten Zwei-Staffler einen immerhin ordentlichen Abschluss, der keine wesentlichen Fragen offen lässt. Man hätte hier sicher noch ein paar der (natürlich) aufgeworfenen Handlungsstränge weiterspinnen können, leider war das – Gerüchten zufolge wegen mangelndem Erfolg in den USA – nicht mehr möglich.

Was sagt uns das?

Der hohe Flug, und der tiefe Fall. Es wird viel angedeutet in dieser Serie, aber nie eindeutig belegt oder widerlegt was Richter Harris eigentlich genau widerfährt. Seine Visionen können von Gott inspiriert sein, müssen aber nicht. Dinge die ihm passieren entsprechen dieser Annahme manchmal, und manchmal auch nicht.

Daher bleibt es dem Zuschauer überlassen, die Geschehnisse zu interpretieren. Darüber hinaus kann man schön über den geläuterten Saulus lächeln, der versucht mit neuen ethischen Prinzipien im Privaten und Geschäftlichen sauber zu bleiben. Das stößt erwartungsgemäß auf Irritation und verursacht natürlich enorme Probleme, ist aber immer wieder frisch inszeniert.

Spannend wird es dann, wenn für die gute Sache Sünden begangen werden. Wo ist die Grenze, die nicht überschritten werden darf im Namen Gottes? Und wer legt sie fest?

 

Noch was?

IMDB.COM: 7,5 / 10 (Link)

rottentomatoes: 81% (Link)

 

Bildzitat: Constantin Film (Link)

Bildzitat: Wikimedia (Link)

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