the lost room – Review

„Das verschwundene Zimmer“

.. (engl. ‚the lost room‘) ist eine zweiteilige Fernsehreihe aus den USA. 2006 erschienen, wurde sie 2008 in Deutschland erstmalig ausgestrahlt. Als Freund von wenig Umfang mit viel Inhalt kommen die knapp 300 Minuten Lauflänge mir sehr entgegen, denn aus diesem Stoff hätte so manch anderer Regisseur eine 10-staffelige Quälorgie gebaut (*hust* .. Lindelof .. *hust*). Ich bin den Serienmachern von „the lost room“ sehr dankbar, dass sie dieser naheliegenden Versuchung nicht erlegen sind.

Spoiler-Heuler

Liebe ‚Ich lass mich gern überraschen‘ Freunde, wenn ihr vorhabt ‚the lost room‘ noch anzusehen und ihr es hasst irgendetwas vorab zu wissen, dann hört bitte spätestens jetzt auf zu lesen. Ich werde hier nicht den gesamten Inhalt posten (den kann man eh bei Wikipedia nachlesen), aber mich zur Beschreibung meiner Erfahrung immer wieder darauf beziehen. Das kann (und wird in Einzelfällen) auch das Ende betreffen, also seid euch dessen bewusst.

Worum geht’s?

Polizist Joe Miller befindet sich mitten im Sorgerechtsstreit um seine Tochter Anna, als ihm durch einen ungewöhnlichen Mehrfachmord ein Schlüssel in die Hände fällt. Der Schlüssel führt den Besitzer bei Benutzung in ein Motelzimmer, aus dem zu jeder beliebigen Tür gesprungen werden kann. Als Anna in dem Zimmer verloren geht, gerät Joe auf der Suche nach ihr immer tiefer in einen Strudel von Ereignissen, Rivalen und weiteren übernatürlichen Objekten.

Sucks

Ein äußerst kurzes Stück Film, ohne sonderlichen Tiefenanspruch. Um in der kurzen Zeit den beachtlichen Plot unterzubringen blieb nicht viel Zeit für großartige Charakterentwicklung – was schade ist. Das gilt leider auch für den Protagonisten. Seine Glaubwürdigkeit leidet zusätzlich weil er sich immer dann nicht wie ein Polizist verhält, wenn das Drehbuch es vorschreibt (Stichwort: Mord und Tatwaffe). Das zerstört zwar nicht die Glaubwürdigkeit der gesamten Produktion, nagt aber hier und da an ihr.

Darüber hinaus gibt es sehr viele handelnde Personen für die 290 Minuten, aber bei jeder nur marginal Tiefgang. Die Figuren sind vergleichsweise flach und entwickeln sich kaum, so dass die durchaus stattfindenen Seitenwechsel (ich habe drei gezählt) nicht großartig ins Gewicht fallen, teilweise sogar im allgemeinen Rauschen untergehen. Die Mitglieder der zwei verfeindeten Organisationen bleiben fast vollständig anonym, obwohl die gute der beiden augenscheinlich nur aus 5-6 Leuten besteht. Möglicherweise sollten hier Folgestaffeln mit erweitertem Fokus vorbereitet werden, dafür spricht auch die Entwicklung von Ruber zum Propheten. Allerdings kratzt das an der Immersion der Story.

Der Schnitt ist gut, teilweise aber sehr rabiat – so dass man sich hier und da erst zusammenreimen muss wer da jetzt warum wo auftaucht. Somit ist die Kürze zugleich größte Stärke und Schwäche – es schaut sich leicht an einem längeren Abend weg, aber muss an vielen Stellen Kompromisse machen.

Rocks

Das Konzept ist so simpel wie bestechend – und ist durch und durch überzeugend umgesetzt. Die Idee, normale Alltagsgegenstände in Gott-Objekte zu verwandeln, verleiht der gesamten Szenerie eine unerwartete erzählerische Sprengkraft, schließlich könnte alles und jeder ein potentieller Gegenspieler mit einem mächtigen Artefakt sein. Das ist ein bisschen wie bei Heroes, allerdings wandern die Kräfte und können so verlorengehen bzw. anderen abgejagt werden. Die wenigen Spezialeffekte die es da noch brauchte sind überzeugend und gehen größtenteils in Ordnung, auch wenn gerade im Motel hier und da zu sehr gewackelt wurde.

Der verschwundene Zimmer mit den Protagonisten
Der verschwundene Zimmer mit den Protagonisten

Die Serie macht keinen Hehl daraus dass es sich um ein großes Rätsel handelt, was nicht notwendigerweise eine Lösung haben muss. Das Streben von Joe nach mehr Wissen (um seine Tochter zu retten) geht einher mit der Neugier des Zuschauers. Beide wollen wissen wie die Dinge funktionieren. Die Serie rettet sich durch Wendungen und interessante weitere Objekte davor die Hatz nach des Rätsels Lösung zu sehr in die Länge zu ziehen.

Die Objekte sind herrlich – es ist klar dass um die 100 von ihnen existieren, und dass alle übernatürliche Eigenschaften haben. Das ist eine großartige Prämisse die konsequent umgesetzt wird. So gibt es eine Uhr, die beispielsweise Eier kocht – und viele andere Objekte deren besondere Fähigkeit völlig unbekannt ist oder sich im Handlungsverlauf durch Zufall offenbart. Die Funktion der Objekte ist einzig einzig im Motelzimmer eingeschränkt, was hier und da für nette Überraschungen genutzt wird.

Fazit

Trotz eines derben Cliffhangers am Ende konnte man sich bisher nicht entschließen eine weitere Staffel zu produzieren. Ich finde das gut, denn die eigentliche Geschichte um Joe Miller ist bereits erzählt. Eine weitere Staffel hätte das Grundgerüst in seiner jetzigen Form nicht getragen. Das Rätsel ist weitestgehend erschöpft, jetzt könnte die Handlung ohne Hockstrecksprünge (*hust* .. Lindelof) nur noch zu einem Katz-und-Maus-Spiel um Objekte werden.

Freunden von unkomplizierter SF-Unterhaltung sei die Serie dringend ans Herz gelegt, allen anderen nur bedingt: denn alles was nicht mit Hokuspokus zu tun hat überzeugt nur in engen Grenzen.

Noch was?

IMDB.COM: 8,3 / 10 (Link)

 

Bildzitat: Syfy (Link)

Bildzitat: Syfy (Link)

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