Ash vs. Evil Dead

Ich hab`s probiert – echt jetzt.

Ash vs. Evil Dead – ich wollte es lieben, habe so viel Gutes darüber gelesen – ein Remake aus den frühen 80ern, zynisch, bitterböse, Erwachsenenkost. Was kann da schon schiefgehen? Genug, um nach 2-3 Folgen wieder auszusteigen. Doch wieso?

Ganz schön derb

Ash, seines Zeichens Protagonist der Tanz der Teufel Filme nebst Nachfolgern, hat ein großes Problem. Eigentlich sogar mehrere, aber dieses eine führt die Welt an den Abgrund. Im Drogenrausch ließ er versehentlich das Böse erneut in die Welt. Gemeinsam mit Pablo, seinem treuen Kollegen, und Kelly, die Angebetete des letzteren, muss er sich  nun aufmachen um die Welt zu retten – schon wieder. Das klingt wie eine großartige Prämisse für einige entspannte Serienabende. Auch Kritiken überschlugen sich reihenweise mit Lobeshymnen – und da ich ein ausgewiesener Anhänger des Crowd Rating bin (79 Lemminge können nicht irren), war ich sofort Feuer und Flamme. In freudiger Erwartung lud ich mir daher die ersten paar Folgen des am 01. September 2016 in Deutschland gestarteten Formats herunter.

Was dann folgte war dann leider nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Ich kann sogar verstehen was die Leute so anzieht, aber ganz offensichtlich trifft das nicht meine Ader.

Das goldene Handwerk

Es ist von der ersten Minute an offensichtlich, der Film nimmt sich selbst nicht ernst. Handlung und Protagonist, Szene und Effekte  – all das strotzt nur so vor selbstironischem Trash-Charme. Und möglicherweise ist da auch der große Graben zu meinen ursprünglichen Erwartungen.

Die Jagd auf Untote geht weiter
Die Jagd auf Untote geht weiter

Handlung und Protagonist

Unser Protagonist ist ein ziemlich tiefenentspannter und selbstzentrierter Typ. Dreißig Jahre nach den Abenteuern aus Tanz der Teufel hat er sich mit seinem Leben und der fehlenden Hand sehr gut arrangiert. Abendliche Abstecher in den nahen Pub führen dank rührseliger (ausgedachter) „wie ich meine Hand verlor“ Geschichte bei anwesenden Damen zum gewünschten Erfolg. Sein Job ist weder herausfordernd, noch besonders lukrativ – Ash wohnt im Wohnwagen am Stadtrand und ist nicht gerade von Prunk umgeben. Sein Chef ist natürlich ein Idiot, seine täglichen seelischen Streicheleinheiten (nicht das er es nötig hätte) erhält er von seinem Kollegen Pablo. Pablo ist unübersehbar ein großer Fan von Ash – was sich durch die aufkommende Bedrohung nur noch verstärkt.

Auch Kollegin Kelly gewinnt nach anfänglichem Zögern schnell Zutrauen zu Ash, und so machen sich die drei schließlich gemeinsam auf, sich möglichst blutig durch die vorhandene Bedrohung zu schnetzeln. Bedrohung? Ja, gemäß dem Serienstil wird entsprechend uninspiriert ein Konflikt aufgeworfen, der gelöst werden will. Mangels besserem Einfall hat Ash wieder die Dämonen der Hölle beschworen, wieder durch Rezitieren von Formeln aus dem Nekronomicon. Das er das überhaupt tut, wird vollkommen einleuchtend mit Drogenrausch und Frauen-Baggern erklärt. Ah ja. Da gibt es noch die Polizistin Amanda, die sich einer polizeilichen Untersuchung stellen muss, weil ihr und ihrem Kollegen in einem (fast) verlassenen Haus ein ziemlich (IC) unglaubwürdiges Dämonen-Stelldichein widerfährt.

So werden also in den beiden parallelen Erzählsträngen Ash und Amanda ihnen näher oder entfernter stehende Charaktere fortlaufend von Dämonen besessen, und anschliessend mit Pistole, Schrotflinte, (natürlich) Kettensäge oder anderen Hilfsmitteln kleingeschnetzelt. Eklig? Für mein ungeübtes Auge schon ein wenig, zumindest bis man sich nach 1-2 Folgen an den Splatter-Faktor gewöhnt hat. Spannend? Nur sehr bedingt, da man aufgrund des Settings annehmen kann, dass von den Protagonisten jetzt wohl keiner sterben wird.

Effekte und Szene

Die Effekte sind in schöner Referenz an die Originale sehr selbstreferentiell gehalten, viel Kunstblut, Masken und Puppen-Einsatz, wenig (bis gar kein?) CGI. Das ist nicht weiter schlimm, leider tragen die so sehr bodenständigen Effekte (die zum Schmunzeln bringen) die sehr dünne Handlung (die zum Gähnen bringt) dann auch nicht über die Ziellinie.

Die Kleinstadt und ihre Orte sind recht überzeugend dargestellt, man nimmt den Schauplätzen das Provinzielle und zugleich Bedrohliche grundsätzlich ab. Die zahlreichen Antagonisten, die grundsätzlich in jedem lauern können, bieten eine angenehme Grundspannung die auch ein wenig mit den Erwartungen spielt (herrlich: Kellys Mutter). Und so ist das letztendlich auch das Einzige was mich nach dem Schauen der ersten Folge noch die zweite und dritte anschauen ließ: wer ist als Nächstes dran, und wie wird er beseitigt?

Staffeln

Für Freune der Splatter-Comedy eine großartige Nachricht. Kurz vor dem Anlaufen der ersten Staffel wurde eine zweite angekündigt. Die erste Staffel ist bereits Anfang September in Deutschland erschienen. Die zweite Staffel erscheint fast zeitgleich Anfang Oktober in den USA und in Deutschland. Es mangelt also nicht an weiterem Evil Dead-Futter, für jeden der es mag.

Es hört nicht auf. Niemals.

Ich bin mir bewusst, hier trennt sich die „Evil Dead“ Spreu vom Weizen – und vielleicht waren die Original-Filme damals einfach cooler weil ich anders war. Aber das was Ash heute in Serienform fabriziert, hat mich im besten Fall für Minuten gut unterhalten, über längere Strecken aber dann doch gelangweilt.

Jene die auch heute noch die alten Filme lieben werden mit der Serie vermutlich ihre Freude haben. Auf dem Niveau der modernen Streaming-Serien kann sie jedoch in keiner Hinsicht mithalten. Was für Fans eben.

Noch was?

IMDB.COM: 8,6 / 10 (Link)

rottentomatoes.com: 93% (Link)

 

Bildzitat: Syfy (Link)

Bildzitat: Syfy (Link)

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