Everybody’s Gone to the Rapture

First contact mal mit erzählerischem Tiefgang.

Das Problem

Fermi’s „Where is everybody“ ist eine interessante und beängstigende Frage zur Bevölkerung des Universums. Wenn das Universum so groß, und wir nicht so hyper-weit entwickelt sind (150 Jahre technische Zivilisation sind sehr wahrscheinlich nicht die Spitze des Eisbergs), warum kam es noch zu keinem Kontakt mit anderen?

Fermi weiß Bescheid
Fermi weiß Bescheid

Es gibt eine Reihe gut beschriebener Lösungsansätze zu diesem Paradox. Das Verteilungsmuster finde ich sehr interessant, ist aber leider willkürlich / phänomenologisch angenommen, erklärt also nur das Beobachtete. Kein Wunder also, dass sich auch Spiele als Teil der Populär-Kultur immer wieder mit dem Szenario auseinandersetzen, dass es einer extraterrestrischen Wesenheit doch gelingt, bei uns mal reinzuschauen.

Für mich persönlich klingt am Überzeugendsten, dass da draußen durchaus einige herumschwirren, und man entschieden hat, neue Zivilisationen bis zu einer gewissen Entwicklungsstufe allein zu lassen. Denn die Existenz einer überirdischen, weit überlegenen Macht muss so eine Gesellschaft auch erstmal verdauen, ohne sich selbst aufzugeben oder auszulöschen. Wenn es stimmt, warten da draußen noch einige Antworten, auch wenn meine Theorie mal nicht davon ausgeht, dass ich diese noch erfahren darf.

Das Let`s Play

„Everybody’s Gone to the Rapture“ befasst sich mit genau diesem Szenario, und das ist nicht mal der größte Spoiler. Denn spannend ist nicht so sehr, wer oder was dort eingeschlagen ist, sondern eher was genau im Anschluss geschah. Diese Frage wird nur diffus beantwortet, und bis zum Schluss bleibt offen ob man uns freundlich gesinnt war oder nicht. Und manchmal kommt es auch gar nicht darauf an.

Wo sind sie nur alle hin?
Wo sind sie nur alle hin?

Spiele die nur wenig Mechanik und fast keine Gefahr für die Spielfigur etablieren, den Spieler aber trotzdem in eine mehr oder weniger glaubwürdige Spielwelt entführen, werden oft liebevoll als „Walking Simulator“ betitelt. Das Schöne an diesen Spielen: man kann spielmechanische Herausforderung nur bedingt sehen. Ist ein Spiel in diesem Bereich angenehm flach, haben Let’s Player und Zuschauer weitgehend übereinstimmende Erfahrungen im Spielverlauf – die Dissonanz die üblicherweise zwischen Spieler und Zuschauer auftritt, bleibt hier angenehm gering.

So auch geschehen in Gronkhs Let’s-Play. Zur Geschichte nur kurz, denn vieles ergibt sich erst im Spielverlauf oder gehört zum Geheimnis der Story. Wir laufen als Figur ohne Namen und Vergangenheit durch ein Dorf, aus dem alle Dorfbewohner verschwunden sind. Von Zeit zu Zeit sehen wir ein helles Licht was uns den Weg weist, können jedoch auch abseits des vorgegebenen Pfades viele interessante Story-Fetzen entdecken.

Gronkh macht seine Sache gut, kommentiert unterhaltsam und geht mit einer angenehmen Liebe zum Detail zu Werke. Routiniert fesselt er den Zuschauer über die Episoden, stellt gute Fragen zur Story und findet einen angemessenen Kompromiss zwischen Completionist und Casual-Spieler. Humor und Grusel kommen ebensowenig zu kurz wie eine ordentliche Portion „Was verdammt ist hier nur passiert?“, die dann auch dafür sorgt das ich „grad nur noch eine Episode“ sehen wollte. Und er bewundert die Grafik, natürlich.

Alles in allem ein angenehmes Stück Abendunterhaltung, das zum Nachdenken anregt.

Noch was?

metacritic.com: 76 (Link)

 

Bildzitat: The Chinese Room (Link)

Bildzitat: The Nobel Prize Organization (Link)

Bildzitat: The Chinese Room (Link)

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